12.01.2026

Schilfschnitt: Warum wir im Jänner zusperren

Wenn der See zufriert oder zumindest so tut, gehen wir ins Schilf. Nicht zum Spazieren – zum Schneiden. Der Schilfgürtel am Neusiedler See ist der zweitgrößte Europas, und er bleibt nur gesund, wenn er regelmäßig geschnitten wird. Früher hat das jedes Haus in Purbach gemacht. Heute sind es wenige, und wir sind zwei davon.

Vier Wochen lang sind wir also keine Köche und keine Gastgeber, sondern Schilfschneider. Das geschnittene Rohr wird gebündelt und getrocknet – ein Teil geht an Dachdecker, ein Teil bleibt bei uns. Darauf räuchern wir das ganze Jahr über den Zander, und aus den Bündeln bauen wir jeden Frühling den Windschutz für den Steg neu.

Im Februar sperren wir wieder auf, mit einem Menü, das nach Rauch schmeckt und nach dem, was der Erdkeller übrig hat: Kraut, Kürbis, Sellerie, Erdäpfel. Es ist unser ehrlichstes Menü im Jahr. Wer es einmal gegessen hat, kommt im nächsten Februar wieder.

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